bauhausbuch 07 

 

walter gropius

neue arbeiten der bauhaus werkstätten

1925

 

 

schriftleitung

walter gropius

l. moholy-nagy

Das Bauhaus soll ein Versuchslaboratorium der Typisierung unsrer Gebrauchsgegenstände sein. In diesem Katalog seiner Erzeugnisse der Tischlerei, Töpferei, Weberei und Metallwerkstätte zeigt es die zunächst gewonnenen Ergebnisse. Walter Gropius skizziert eingangs die »Grundsätze der Bauhausproduktion«. Die abgebildeten Arbeiten sind zumeist noch »Kunstgewerbe«, zu wenig »Laboratorium«. Einige Objekte (z. B. Stühle) sind erstaunlich kompliziert. Die Töpferwaren halten wir für überflüssig, denn die (durch Le Corbusier nachgewiesenen) Standardformen der Geschirre sind zumeist vorhanden.

 

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

 

TISCHLEREI

METALLWERKSTATT

WEBEREI

TÖPFEREI

HOLZ- U. STEINBILDHAUEREI

WANDMALEREI

GLASWERKSTATT

DRUCKEREI

REKLAMEABTEILUNG

BÜHNENWERKSTATT

ARCHITEKTURABTEILUNG

 

Tischlerei: Josef Albers, Marcel Breuer, Alma Buscher, Erich Dieckmann, Walter Gropius, Benita Otte

 

Spielwaren: Alma Buscher, Ludwig Hirschfeld-Mack, Eberhard Schrammen, Josef Hartwig, Heinz Nösselt

 

Metallwerkstatt: Marianne Brandt, Karl Jakob Jucker, Josef Knau, Max Krajewski, Otto Rittweger, Wolfgang Rößger, Friedrich Marby, Naum Slutzky, Wolfgang Tümpel, Wilhelm Wagenfeld 

 

Weberei: M. Schreyer, F. Knott, E. Niemeyer, L. Leudesdorff, R. Valentin, Ruth Hollós, Benita Otte, Dörte Helm, Gertrud Handtschk (Arndt), Martha Erps, Anni Fleischmann (Albers), Gunta Stölzl, Lis Deinhardt, Margarete Köhler (-Bittkow)

 

Töpferei: Theodor Bogler, Werner Burri, Otto Lindig, Marguerite Friedländer (-Wildenhain) 

WALTER GROPIUS

GRUNDSÄTZE DER BAUHAUS-PRODUKTION

 

Das Bauhaus will der zeitgemäßen Entwicklung der Behausung dienen, vom einfachen Hausgerät bis zum fertigen Wohnhaus. In der Überzeugung, dass Haus und Wohngerät untereinander in sinnvoller Beziehung stehen müssen, sucht das Bauhaus durch systematische Versuchsarbeit in Theorie und Praxis — auf formalem, technischem und wirtschaftlichem Gebiete — die Gestalt jedes Gegenstandes aus seinen natürlichen Funktionen und Bedingtheiten heraus zu finden. Der moderne Mensch, der sein modernes, nicht ein historisches Gewand trägt, braucht auch moderne, ihm und seiner Zeit gemäße Wohngehäuse mit allen der Gegenwart entsprechenden Dingen des täglichen Gebrauchs.

 

Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert — ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus — muß sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen, d. h. seine Funktionen praktisch erfüllen, haltbar, billig und schön sein.

 

Diese Wesensforschung führt zu dem Ergebnis, dass durch die entschlossene Berücksichtigung aller modernen Herstellungsmethoden, Konstruktionen und Materialien Formen entstehen, die, von der Überlieferung abweichend, oft ungewohnt und überraschend wirken (vgl. beispielsweise den Gestaltwandel von Heizung und Beleuchtung).

 

Die Suche nach neuen Formen um jeden Preis dagegen, soweit sie sich nicht aus der Sache selbst ergeben, wird ebenso abgelehnt, wie die Anwendung rein dekorativer — erdachter oder historischer — Schmuckformen.

 

Denn die Fähigkeit, einen Gegenstand »schön« zu gestalten, beruht auf der meisterlichen Beherrschung aller wirtschaftlichen, technischen und formalen Voraussetzungen, aus denen sein Organismus resultiert. Die Art, in der der gestaltende Mensch die Beziehungen der Massen, Materialien und Farben des zu gestaltenden Dinges ordnet, schafft diesem das charakteristische Gesicht. In den Maßverhältnissen dieser Ordnung liegt sein geistiger Wert verborgen, nicht in äußerlicher Zutat von schmückendem Ornament und Profil; diese stören sogar seine klare Gestalt, sobald sie nicht funktionell begründet sind.

 

Nur durch dauernde Berührung mit der fortschreitenden Technik, mit der Erfindung neuer Materialien und neuer Konstruktionen gewinnt das gestaltende Individuum die Fähigkeit, die Gegenwart in lebendige Beziehung zur Überlieferung zu bringen und daraus die neue Werkgesinnung zu entwickeln:

Die Lebensbedürfnisse der Mehrzahl der Menschen sind in der Hauptsache gleichartig. Haus und Hausgerät ist Angelegenheit des Massenbedarfs, ihre Gestaltung mehr eine Sache der Vernunft, als eine Sache der Leidenschaft. Die schaffende Maschine von Typen ist ein wirksames Mittel, das Individuum durch mechanische Hilfskräfte — Dampfund Elektrizität — von eigener materieller Arbeit zur Befriedigung der Lebensbedürfnisse zu befreien und ihm vervielfältigte Erzeugnisse billiger und besser als von der Hand gefertigt zu verschaffen. Eine Vergewaltigung des Individuums durch die Typisierung ist ebensowenig zu befürchten wie eine völlige Uniformierung der Kleidung durch das Diktat der Mode. Trotz typischer Gleichartigkeit der einzelnen Teile behält das Individuum Spielraum zu persönlicher Variation. Denn infolge der natürlichen Konkurrenz ist die Zahl der vorhandenen Typen für das einzelne Ding doch immer so reichlich, dass dem Individuum die persönliche Wahl des ihm am meisten entsprechenden Modells überlassen bleibt.

 

Die Bauhauswerkstätten sind im wesentlichen Laboratorien, in denen vervielfältigungsreife, für die heutige Zeit typische Geräte sorgfältig im Modell entwickelt und dauernd verbessert werden. Das Bauhaus will in diesen Laboratorien einen neuen, bisher nicht vorhandenen Typ von Mitarbeitern für Industrie und Handwerk heranbilden, der Technik und Form in gleichem Maße beherrscht.

 

Das Ziel, typische Modelle zu schaffen, die alle wirtschaftlichen, technischen und formalen Forderungen erfüllen, verlangt eine Auslese bester, umfassend gebildeter Köpfe, die in gründlicher Werkpraxis wie in exaktem Wissen der formalen und mechanischen Gestaltungselemente und ihrer Aufbaugesetze geschult sind.

 

Diese Modellkonstrukteure müssen auch mit den maschinellen Werkmethoden fabrikmäßiger Vervielfältigung, die von denen des Handwerks abweichen, genau vertraut sein, wenn auch die Modellstücke mit der Hand ausgearbeitet werden. Denn aus der Eigenart der Maschine entwickelt sich die neue, eigene »Echtheit« und »Schönheit«ihrer Erzeugnisse, während die unlogische Imitation handwerklicher Produkte mittels der Maschine immer den Makel des Surrogats trägt.

 

Das Bauhaus vertritt die Ansicht, daß der Gegensatz zwischen Industrie und Handwerk weniger durch den Unterschied des Werkzeugs gekennzeichnet wird, als vielmehr durch die Arbeitsteilung dort und die Arbeitseinheit hier.

 

Handwerk und Industrie sind aber in ständiger Annäherung begriffen. Das Handwerk der Vergangenheit hat sich verändert, das zukünftige Handwerk wird in einer neuen Werkeinheit aufgehen, in der es Träger der Versuchsarbeit für die industrielle Produktion sein wird. Spekulative Versuche in Laboratoriumswerkstätten werden für die produktive Durchführungsarbeit der Fabriken Modelle — Typen — schaffen.

 

Die in den Bauhauswerkstätten endgültig durchgearbeiteten Modelle werden in fremden Betrieben vervielfältigt, mit denen die Werkstätten in Arbeitsverbindung stehen. Die Bauhausproduktion bedeutet also keine Konkurrenz für Industrie und Handwerk, sondern schafft vielmehr für diese einen neuen Aufbaufaktor.

 

Denn das Bauhaus führt dem realen Werk und Wirtschaftsleben schöpferisch begabte Menschen über die Praxis zu, die der Industrie und dem Handwerk Vorarbeit zur Produktion abnehmen sollen. Die vervielfältigten Produkte nach Modellen des Bauhauses sollen ihre Preiswürdigkeit lediglich durch Ausnutzung aller modernen ökonomischen Mittel der Typisierung (Serienherstellung durch die Industrie) und durch den Umsatz erreichen. Der Gefahr einer Minderung der Güte der Produkte in Material und Ausführung gegenüber den Modellen durch die maschinelle Vervielfältigung wird mit allen Mitteln begegnet. 

 

Das Bauhaus kämpft gegen Ersatz, minderwertige Arbeit und kunstgewerblichen Dilettantismus für eine neue Qualitätsarbeit.​

Ruth Hollos (-Consemüller): Schaftweberei. Kunstseide (Meterware). 1924​

Die Wickelkommode wurde nach den daran vorzunehmen­den Hantierungen geformt. Rechts und links auf der Wickelplatte sind Kästen für Puder- und Salbendosen. Die rechte Seite, für gebrauchte Wäsche, hat oben eine Klappe zum Hineinwerfen, unten eine Tür zum Herausnehmen. Links sind Fächer für neue Wäsche; oben eine ausziehbare Platte zum Zurecht­legen der Wäsche. In der Mitte ein einschiebbarer Schemel mit bequemer Sitzhöhe (auch zum Sitzen beim Stillen), darunter Raum für die Badewanne, die auf den mit Linoleum gedeckten Schemel zu stellen ist. Die Lackierung ist bis auf die schwarze Sockelfeiste sehr hell geholten. Die Seiten und Trennungshölzer zwischen den Fächern sind cremefarben, die Platte und die Stirnseiten der Fächer weiß, alle Knöpfe leuchtend gelb.​

Das Bauhaus-Schachspiel besteht nicht aus symbolischen Figuren, sondern aus Spielsteinen, die ihren Wert und ihre Gangart deutlich ausdrücken. Bei Bauer und Turm be­tont die Würfelform, daß sie winkel­recht zum Brettrand ziehen. Der Sprin­ger bewegt sich rechtwinklig in Haken­form: 4 Würfel sind hakenförmig ver­bunden. Der Läufer ist ein Schräg­kreuz, weil er diagonal zieht. Der König zieht geradeaus und schräg: ein klei­ner Würfel steht diagonal auf einem anderen. Die Dame, die beweglichste Figur, besteht aus Zylinder und Kugel. Der Spielwert wird durch Höhe und Volumen betont. Die Bauern sind am kleinsten, Dome und König am größ­ten, Läufer und Springer sind gleich groß Aber halb so groß wie der Turm, der dreifache Größe eines Bauern hat. So ist gegenüber den bisherigen Formen, die ein Gemisch von Figuren und Steinen sind, eine besondere Klarheit im Ausdruck der Funktionen erreicht.​

Der gezeigte Stuhl hat zunächst wohl etwas Befremdendes. Es wurde beobachtet, dass beim ersten Anblick ein gutes Sitzen bezweifelt wurde. Doch die Probe zeigte, dass die Befremdung nicht vom Stuhl ausging sondern an der Brille der Gewohnheit lag, durch die man ihn beschaute.

 

Der Versuch vertauscht das Ungewohnte schnell mit der angenehmen Über­raschung, dass man da besonders gut sitzt. Die Ableitung der Form aus dem Zweck bewirkt dieses Ergebnis. Es soll eine bequeme Sitzgelegenheit geschaf­fen werden, die wenig Herstellungs­aufwand (einfache Konstruktion, meist Maschinenarbeit) und wenig Unterhaltungsarbeit verlangt (keine staubs­augenden Polster, leichter Transport). Darum ist der Sitz elastisch und schräg, damit der ganze Oberschenkel gut gestützt ist. Der Rücken, der danach ebenfalls schräg liegen muss, wird eben­falls elastisch gestützt. Durch zwei Gurte, die nur das Kreuz und die Schulterblätter (also flache Teile des Knochengerüstes) berühren. Das emp­findliche Rückgrat bleibt vollkommen frei.

 

Die rechtwinklige Konstruktion ist auf ein Minimum an Material- und Arbeitsverbrauch gestellt und soll an­genehme Maßverhältnisse zeigen. Die Anordnung der Holzbreiten nimmt aus statischen Gründen Bezug zum Druck des Körpergewichts und zum Zug der Bespannung.​

Entschlossene Bejahung der lebendigen Umwelt der Maschinen und Fahrzeuge.

Organische Gestaltung der Dinge aus ihrem eigenen gegenwartsgebundenenen Gesetz heraus, ohne romantische Beschönigungen und Verspieltheiten.

Beschränkung auf typische, jedem verständliche Grundformen und -farben.

Einfachheit im Vielfachen, knappe Ausnutzung von Raum, Stoff, Zeit und Geld:

Die Schaffung von Typen für die nützlichen Gegenstände des täglichen Gebrauchs ist eine soziale Notwendigkeit. 

Die Lebensbedürfnisse der Mehrzahl der Menschen sind in der Hauptsache gleichartig. Haus und Hausgerät ist Angelegenheit des Massenbedarfs, ihre Gestaltung mehr eine Sache der Vernunft, als eine Sache der Leidenschaft. Die schaffende Maschine von Typen ist ein wirksames Mittel, das Individuum durch mechanische Hilfskräfte — Dampfund Elektrizität — von eigener materieller Arbeit zur Befriedigung der Lebens-bedürfnisse zu befreien und ihm vervielfältigte Erzeugnisse billiger und besser als von der Hand gefertigt zu verschaffen. Eine Vergewaltigung des Individuums durch die Typisierung ist ebensowenig zu befürchten wie eine völlige Uniformierung der Kleidung durch das Diktat der Mode. Trotz typischer Gleichartigkeit der einzelnen Teile behält das Individuum Spielraum zu persönlicher Variation. Denn infolge der natürlichen Konkurrenz ist die Zahl der vorhandenen Typen für das einzelne Ding doch immer so reichlich, dass dem Individuum die persönliche Wahl des ihm am meisten entsprechenden Modells überlassen bleibt.

 

Die Bauhauswerkstätten sind im wesentlichen Laboratorien, in denen vervielfältigungsreife, für die heutige Zeit typische Geräte sorgfältig im Modell entwickelt und dauernd verbessert werden. Das Bauhaus will in diesen Laboratorien einen neuen, bisher nicht vorhandenen Typ von Mitarbeitern für Industrie und Handwerk heranbilden, der Technik und Form in gleichem Maße beherrscht.

 

Das Ziel, typische Modelle zu schaffen, die alle wirtschaftlichen, technischen und formalen Forderungen erfüllen, verlangt eine Auslese bester, umfassend gebildeter Köpfe, die in gründlicher Werkpraxis wie in exaktem Wissen der formalen und mechanischen Gestaltungs-elemente und ihrer Aufbaugesetze geschult sind. Diese Modellkonstrukteure müssen auch mit den maschinellen Werkmethoden fabrik-mäßiger Vervielfältigung, die von denen des Handwerks abweichen, genau vertraut sein, wenn auch die Modellstücke mit der Hand ausgearbeitet werden. Denn aus der Eigenart der Maschine entwickelt sich die neue, eigene »Echtheit« und »Schönheit« ihrer Erzeugnisse, während die unlogische Imitation handwerklicher Produkte mittels der Maschine immer den Makel des Surrogats trägt.

 

Das Bauhaus vertritt die Ansicht, daß der Gegensatz zwischen Industrie und Handwerk weniger durch den Unterschied des Werkzeugs gekennzeichnet wird, als vielmehr durch die Arbeitsteilung dort und die Arbeitseinheit hier.

 

Handwerk und Industrie sind aber in ständiger Annäherung begriffen. Das Handwerk der Vergangenheit hat sich verändert, das zukünftige Handwerk wird in einer neuen Werkeinheit aufgehen, in der es Träger der Versuchsarbeit für die industrielle Produktion sein wird. Spekulative Versuche in Laboratoriums-werkstätten werden für die produktive Durchführungsarbeit der Fabriken Modelle — Typen — schaffen.

 

Die in den Bauhauswerkstätten endgültig durchgearbeiteten Modelle werden in fremden Betrieben vervielfältigt, mit denen die Werkstätten in Arbeitsverbindung stehen. Die Bauhausproduktion bedeutet also keine Konkurrenz für Industrie und Handwerk, sondern schafft vielmehr für diese einen neuen Aufbaufaktor.

 

Denn das Bauhaus führt dem realen Werk und Wirtschaftsleben schöpferisch begabte Menschen über die Praxis zu, die der Industrie und dem Handwerk Vorarbeit zur Produktion abnehmen sollen. Die vervielfältigten Produkte nach Modellen des Bauhauses sollen ihre Preiswürdigkeit lediglich durch Ausnutzung aller modernen ökonomischen Mittel der Typisierung (Serienherstellung durch die Industrie) und durch den Umsatz erreichen. Der Gefahr einer Minderung der Güte der Produkte in Material und Ausführung gegenüber den Modellen durch die maschinelle Vervielfältigung wird mit allen Mitteln begegnet. 

 

Das Bauhaus kämpft gegen Ersatz, minderwertige Arbeit und kunstgewerblichen Dilettantismus für eine neue Qualitätsarbeit.​

WALTER GROPIUS

 

GRUNDSÄTZE DER BAUHAUS-PRODUKTION

 

Das Bauhaus will der zeitgemäßen Entwicklung der Behausung dienen, vom einfachen Hausgerät bis zum fertigen Wohnhaus. In der Überzeugung, dass Haus und Wohngerät untereinander in sinnvoller Beziehung stehen müssen, sucht das Bauhaus durch systematische Versuchsarbeit in Theorie und Praxis — auf formalem, technischem und wirtschaft-lichem Gebiete — die Gestalt jedes Gegenstandes aus seinen natürlichen Funktionen und Bedingtheiten heraus zu finden.

 

Der moderne Mensch, der sein modernes, nicht ein historisches Gewand trägt, braucht auch moderne, ihm und seiner Zeit gemäße Wohngehäuse mit allen der Gegenwart entsprechenden Dingen des täglichen Gebrauchs.

 

Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert — ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus — muß sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen, d. h. seine Funktionen praktisch erfüllen, haltbar, billig und »schön« sein.

 

Diese Wesensforschung führt zu dem Ergebnis, daß durch die entschlossene Berücksichtigung aller modernen Herstellungsmethoden, Konstruktionen und Materialien Formen entstehen, die, von der Überlieferung abweichend, oft ungewohnt und überraschend wirken (vgl. beispielsweise den Gestaltwandel von Heizung und Beleuchtung).

 

Die Suche nach neuen Formen um jeden Preis dagegen, soweit sie sich nicht aus der Sache selbst ergeben, wird ebenso abgelehnt, wie die Anwendung rein dekorativer — erdachter oder historischer — Schmuckformen.

 

Denn die Fähigkeit, einen Gegenstand »schön« zu gestalten, beruht auf der meisterlichen Beherrschung aller wirtschaftlichen, technischen und formalen Voraussetzungen, aus denen sein Organismus resultiert. Die Art, in der der gestaltende Mensch die Beziehungen der Massen, Materialien und Farben des zu gestaltenden Dinges ordnet, schafft diesem das charakteristische Gesicht. In den Maßverhältnissen dieser Ordnung liegt sein geistiger Wert verborgen, nicht in äußerlicher Zutat von schmückendem Ornament und Profil; diese stören sogar seine klare Gestalt, sobald sie nicht funktionell begründet sind.

 

Nur durch dauernde Berührung mit der fortschreitenden Technik, mit der Erfindung neuer Materialien und neuer Konstruktionen gewinnt das gestaltende Individuum die Fähigkeit, die Gegenwart in lebendige Beziehung zur Überlieferung zu bringen und daraus die neue Werkgesinnung zu entwickeln:

Entschlossene Bejahung der lebendigen Umwelt der Maschinen und Fahrzeuge.

 

Organische Gestaltung der Dinge aus ihrem eigenen gegenwartsgebundenenen Gesetz heraus, ohne romantische Beschönigungen und Verspieltheiten.

 

Beschränkung auf typische, jedem verständliche Grundformen und -farben.

 

Einfachheit im Vielfachen, knappe Ausnutzung von Raum, Stoff, Zeit und Geld:

 

Die Schaffung von Typen für die nützlichen Gegenstände des täglichen Gebrauchs ist eine soziale Notwendigkeit. 

Tischlerei: Josef Albers, Marcel Breuer, Alma Buscher, Erich Dieckmann, Walter Gropius, Benita Otte

 

Spielwaren: Alma Buscher, Ludwig Hirschfeld-Mack, Eberhard Schrammen, Josef Hartwig, Heinz Nösselt

 

Metallwerkstatt: Marianne Brandt, Karl Jakob Jucker, Josef Knau, Max Krajewski, Otto Rittweger, Wolfgang Rößger, Friedrich Marby, Naum Slutzky, Wolfgang Tümpel, Wilhelm Wagenfeld 

 

Weberei: M. Schreyer, F. Knott, E. Niemeyer, L. Leudesdorff, R. Valentin, Ruth Hollós, Benita Otte, Dörte Helm, Gertrud Handtschk (Arndt), Martha Erps, Anni Fleischmann (Albers), Gunta Stölzl, Lis Deinhardt, Margarete Köhler (Bittkow)

 

Töpferei: Theodor Bogler, Werner Burri, Otto Lindig, Marguerite Friedländer (Wildenhain) 

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

TISCHLEREI

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METALLWERKSTATT

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

WEBEREI

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TÖPFEREI

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

METALLWERKSTATT

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

WEBEREI

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

TÖPFEREI

bauhausbuch 07 

 

walter gropius

neue arbeiten der bauhaus werkstätten

1925

 

schriftleitung

walter gropius

l. moholy-nagy

Das Bauhaus soll ein Versuchslaboratorium der Typisierung unsrer Gebrauchsgegenstände sein. In diesem Katalog seiner Erzeugnisse der Tischlerei, Töpferei, Weberei und Metallwerkstätte zeigt es die zunächst gewonnenen Ergebnisse. 

Walter Gropius skizziert eingangs die »Grundsätze der Bauhaus-produktion«. Die abgebildeten Arbeiten sind zumeist noch »Kunst-gewerbe«, zu wenig »Laboratorium«. Einige Objekte (z. B. Stühle) sind erstaunlich kompliziert. 

Die Töpferwaren halten wir für überflüssig, denn die (durch Le Corbusier nachgewiesenen) Standard-formen der Geschirre sind zumeist vorhanden.

 

Der gezeigte Stuhl hat zunächst wohl etwas Befremdendes. Es wurde beobachtet, dass beim ersten Anblick ein gutes Sitzen bezweifelt wurde. Doch die Probe zeigte, dass die Befremdung nicht vom Stuhl ausging sondern an der Brille der Gewohnheit lag, durch die man ihn beschaute.

 

Der Versuch vertauscht das Unge-wohnte schnell mit der angenehmen Über­raschung, dass man da besonders gut sitzt. Die Ableitung der Form aus dem Zweck bewirkt dieses Ergebnis. Es soll eine bequeme Sitzgelegenheit geschaf­fen werden, die wenig Herstellungs­aufwand (einfache Konstruktion, meist Maschinenarbeit) und wenig Unter-haltungsarbeit verlangt (keine staubs­augenden Polster, leichter Transport). Darum ist der Sitz elastisch und schräg, damit der ganze Oberschenkel gut gestützt ist. Der Rücken, der danach eben-falls schräg liegen muss, wird eben­falls elastisch gestützt. Durch zwei Gurte, die nur das Kreuz und die Schulterblätter (also flache Teile des Knochengerüstes) berühren. Das emp­findliche Rückgrat bleibt vollkommen frei.

 

Die rechtwinklige Konstruktion ist auf ein Minimum an Material- und Arbeitsverbrauch gestellt und soll an­genehme Maßverhältnisse zeigen. Die Anordnung der Holzbreiten nimmt aus statischen Gründen Bezug zum Druck des Körpergewichts und zum Zug der Bespannung.​

Das Bauhaus-Schachspiel besteht nicht aus symbolischen Figuren, sondern aus Spielsteinen, die ihren Wert und ihre Gangart deutlich ausdrücken. Bei Bauer und Turm be­tont die Würfelform, daß sie winkel­recht zum Brettrand ziehen. Der Sprin­ger bewegt sich rechtwinklig in Haken­form: 4 Würfel sind hakenförmig ver­bunden. Der Läufer ist ein Schräg­kreuz, weil er diagonal zieht. Der König zieht geradeaus und schräg: ein klei­ner Würfel steht diagonal auf einem anderen. Die Dame, die beweglichste Figur, besteht aus Zylinder und Kugel. Der Spielwert wird durch Höhe und Volumen betont. Die Bauern sind am kleinsten, Dome und König am größ­ten, Läufer und Springer sind gleich groß Aber halb so groß wie der Turm, der dreifache Größe eines Bauern hat. So ist gegenüber den bisherigen Formen, die ein Gemisch von Figuren und Steinen sind, eine besondere Klarheit im Ausdruck der Funktionen erreicht.​

BAUHAUSWERKSTÄTTEN

TISCHLEREI/SPIELWAREN

Gertrud Hantschk (Arndt): Knüpfteppich, Smyrnawolle 1924. ©VG Bild Kunst, Bonn 2019​

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