bauhausbuch 06

 

theo van doesburg

grundbegriffe der neuen gestaltenden kunst

1925

 

schriftleitung  walter gropius

l. moholy-nagy

Ein Laienbrevier elementarer Kunst. Als Versuch lobenswert, als Resultat nicht überzeugend. Richtige Ausscheidung der Ausdrucksmittel von Malerei, Plastik, Architektur. Richtige Deutung historischer Kunstwerke von »Ägypten« bis »Picasso«. Gefährlich die vorgeführten Transfigurationen einer Kuh (Abb. 5-8) und einer Landschaft (Abb. 16, 17) und die Erklärung neoplastischer Kunstwerke als direkte Umbildungen des optischen Natureindruckes. Die abgebildeten Architekturentwürfe sind komponierte Plastiken; sind sie deshalb »Architektur«?​

EINLEITUNG

 

Es müssen allgemein verständliche elemen­tare Grundbegriffe der bildenden Kunst aufgestellt werden, was hier versucht wird.

 

ERSTES KAPITEL
DAS WESEN DER BILDENDEN KUNST
 

I. Alles, was uns umgibt, ist Ausdruck des Lebens. Alles, was lebt, hat bewusste oder unbewusste Erfahrung seiner Umwelt.

 

II. Bewusst oder unbewusst macht sich jedes Geschöpf seine Lebenserfahrungen zunutze.

 

III. Wir können innerhalb der Realitätserfahrung von den ein­fachsten Organismen bis hinauf zu den entwickeltesten Indi­viduen drei Arten von Erfahrung unterscheiden:

 

a) die sinnliche (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen),

b) die psychische,

c) die geistige.

 

IV. Einspürung* und Lebenserfahrung bestimmen einander wech­selseitig.

 

V. Ist die Lebenserfahrung geistig, d. h. beschränkt sich die Umwelterfahrung nicht ausschließlich auf das Sinnliche oder das Psychische, so wird die Rückwirkung der Lebenserfahrung entsprechen

 

VI. In dieser gestaltenden Reaktion unserer aktiven Realitäts­erfahrung liegt das Wesen und die Ursache aller Kunst.

 

VII. Das Kunstwerk ist die Ausdrucks- oder Gestaltungsform dieser geistigen aktiven Realitätserfahrung.

 

ZWEITES KAPITEL

DIE ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG 

 

VIII. Alle Künste haben gleichartigen Inhalt. Nur Ausdrucksweise und Ausdrucksmittel sind verschieden.

 

IX. Ästhetische Erfahrung und Ausdruck dieser Erfahrung be­dingen einander wechselseitig.

 

X. Die ästhetische Erfahrung drückt sich aus in Verhältnissen.

 

XI. Diese Verhältnisse werden offenbar innerhalb des jeder Kunst­art eigenen Ausdrucksmittels.

 

XII. Die stärkste Ausdrucksform jeder Kunst liegt in der aus­schließlichen Verwendung der ihr eigenen Mittel.

 

XIII. In der ästhetischen Erfahrung wird die gegenständliche Naturerscheinung des Erfahrungsobjekts um so mehr vernichtet, je stärker die ästhetische Erfahrung ist.

 

XIV. Im ästhetischen Erlebnis wird individualistische Differenz zur organischen Indifferenz.

 

XIV. Im ästhetischen Erlebnis wird individualistische Differenz zur organischen Indifferenz.

 

XVI. Der ästhetische Wert eines Kunstwerks ist abhängig vom Grade der Bestimmtheit der ästhetischen Akzente.

 

DRITTES KAPITEL

DIE GEMISCHT-ÄSTHETISCHE ERFAHRUNG

 

VIERTES KAPITEL

AUSDRUCK UND AUSDRUCKSMITTEL DER ÄSTHETISCHEN ERFAHRUNG. 

 

XVII. Nur die aktive schöpferische Erfahrung kann ein Kunst­werk erzeugen, nicht aber die passive.

 

XVIII. Die passive Erfahrung kann nur eine Wiederholung oder Verdoppelung des Erfahrungsobjekts hervorbringen.

 

XIX. Eine unmittelbare Verwirklichung, eine exakte Ausdrucks­form kann der Künstler nur durch sein Gestaltungsmittel und aus diesem heraus zustande bringen.

 

XIX. Eine unmittelbare Verwirklichung, eine exakte Ausdrucks­form kann der Künstler nur durch sein Gestaltungsmittel und aus diesem heraus zustande bringen.

 

FÜNFTES KAPITEL

DAS VERHÄLTNIS DES BETRACHTERS ZUM KUNSTWERK 

 

XXI Das ästhetische Erfassen eines exakt bildenden Kunstwerks ist nur möglich, wenn der Betrachter überhaupt ästhetische Be­ziehung zu Kunstwerken hat. 

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1925

 

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