Im Juli 1925 zündeten diese Ideen am Bauhaus wie eine Bombe. Versuche zur neuen Einheitsschrift starteten.

 

Die Geschäftspapiere der Schule – all das ist lange bekannt –erschienen ohne Großbuchstaben unter Protesten der Öffentlichkeit, doch Meister und Schüler behielten sie ein Leben lang bei.

 

Auf Betreiben Herbert Bayers (Bayer an Hans Maria Wingler, 1963:)

 

»I persuaded Gropius to introduce a system of writing in lower case only at the Bauhaus.« 

 

hat Gropius zugestimmt - aber offenbar nicht ohne Zähneknirschen. Die Ausmerzung der Großbuchstaben sei von »extremen normungs-freunden« ausgegangen, so Gropius in einem Vortrag, über den die Papierzeitung 1926 berichtete. Er habe dort den »Kampf gegen Großbuchstaben« auch als »Steckenpferd der Schüler« bezeichnet.

 

Seine Einwände werden ähnlich geendet haben wie bei Dissenzen zwischen Moholy-Nagy und ihm:

 

»Ich möchte mich aber in Ihre typografischen Absichten nicht einmischen, sonst geht die Einheit verloren.«

 

Gropius an Moholy-Nagy 1925, Kritik am Satz in Bauhausbuch 4 

weil es im sprachgebrauch un­konsequent ist, anders zu schreiben als man spricht. wir sprechen keine großen laute, darum schreiben wir sie auch nicht. und: sagt man mit einem alfabet nicht dasselbe, was man mit zwei alfa­beten sagt? warum verschmilzt man zwei alfabete vollständig ver­schiedenen charakters in einem wort oder satz und macht dadurch das schriftbild unharmonisch? entweder groß oder klein. das große alfabet ist im satze unleserlich. deshalb das kleine. und: wenn wir an die schreibmaschine denken, bedeutet die beschränkung auf klein(buch)staben große erleichterung und zeitsparnis. und wenn wir weiterdenken, würde überhaupt vereinfacht und gespart durch ausschaltung großer (buch)staben. 

 

Im Juli 1925 zündeten diese Ideen am Bauhaus wie eine Bombe.

Versuche zu einer neuen Einheitsschrift starteten.

 

Die Geschäftspapiere der Schule - all das ist lange bekannt - erschienen ohne Großbuchstaben unter Protesten der Öffentlich-keit, doch Meister und Schüler behielten sie ein Leben lang bei.

 

Auf Betreiben Herbert Bayers (Bayer an Hans Maria Wingler, 1963:

»I persuaded Gropius to introduce a system of writing in lower case only at the Bauhaus.« 

hat Gropius zugestimmt - offenbar nicht ohne Zähneknirschen.

 

Die Ausmerzung der Großbuchstaben sei von »extremen Normungs-freunden« ausgegangen, so Walter Gropius in einem Vortrag, über den die Papierzeitung 1926 berichtete. Er bezeichnete den

»Kampf gegen Großbuchstaben«

auch als »Steckenpferd der Schüler«

 

Seine Einwände werden ähnlich geendet haben wie bei Dissenzen zwischen Moholy-Nagy und ihm:

»Ich möchte mich aber in Ihre typografischen Absichten nicht einmischen, sonst geht die Einheit verloren.«

 

Gropius an Moholy-Nagy 1925 

wir schreiben alles klein, denn wir sparen damit zeit. außerdem: warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? warum großschreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?

herbert bayer: 

warum wir alles

klein schreiben?

a

z

a-z

Briefbogen Bauhaus Dessau. Gestaltung: Herbert Bayer

versuch einer vereinfachten schreibweise: 1. diese schreibweise wird von allen neuerern der schrift als unsere zukunftsschrift empfohlen. vrgl. das buch »sprache und schrift« von dr. postman, verlag des vereins deutscher ingenieure, berlin 1920. 2. durch kleinschreibung verliert unsere schrift nichts, wird aber leichter lesbar, leichter lernbar, wesentlich wirtschaftlicher. 3. warum für einen laut z.B. a zwei zeichen A und a? ein laut, ein zeichen. warum zwei alfabete für ein wort, warum die doppelte menge zeichen, wenn die hälfte dasselbe erreicht?​

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