bauhausbuch 02 paul klee: pädagogisches skizzenbuch

1925​

Der Kreislauf:


I Das Herz pumpt (aktiv).
III Das Blut wird bewegt (passiv).
II Die Lunge empfängt und gibt verändert weiter, beteiligt sich (medial).
I Das Herz pumpt.
III Das Blut wird von neuem in Bewegung gesetzt und kehrt zum Herzen, seinem Ausgangspunkt, zurück.​

Ein Lehrgang von 43 Lektionen in zeichnerischer und schriftlicher Darlegung. Ein Lehrbuch? Kaum. Es erleichtert dem späteren Biographen des Kunstmalers Paul Klee die Deutung dessen präziöser Malerei. Sympathisch ist das Bemühen, aller Malerei einen graphischen Willensakt unterzulegen. Klee entkräftet damit den gefühlsmässigen Lyrismus.

 

Haben seine Ausführungen Allgemeingeltung? Wir verneinen und vermeinen, es sei dieses die Schrift eines grossen Individualisten, welcher über seine Kunstgebilde Rechenschaft ablegt. Vornehmlich sich selber, aber auch den andern.

 

ursprüngliche grundlage zu einem Teil des theoretischen unterichtes am staatlichen bauhaus zu weimar

Inhalt

 

I. Die Linie

Struktur

Individuelle Gliederung

Materielle Strukturen in der Natur

Der natürliche Bewegungsorganismus als Bewegungswille und Bewegungsvollzug

Übungsaufgaben

Die Wassermühle

Die Pflanze

Produktiv–Rezeptiv

II. Dimensionen

Zweidimensional

Operation in drei Dimensionen

Die Senkrechte

Wandernde Senkrechte

Die Waagrechte

Die Waage

Nicht symmetrisches Gleichgewicht

Gestaltungsschemata

Turmbau

III. Erde, Wasser und Luft

IIII. Symbole der Bewegungsformung

Der Kreisel

Das Pendel

Der Kreis

Die Spirale

Der Pfeil

Gestaltung des schwarzen Pfeils

Der Bewegungs-Organismus

Die unendliche Bewegung 

Eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst
willen, ohne Ziel. Das agens ist ein Punkt, der sich verschiebt​.

Der Vater des Pfeils ist der Gedanke: wie erweitere ich meine Reichweite dorthin? über diesen Fluß, diesen See, jenen Berg! Die ideelle Fähigkeit des Menschen, Irdisches und Überirdisches beliebig zu durchmessen, ist im Gegensatz zu seiner physischen Ohnmacht der Ursprung der menschlichen Tragik. Dieser Widerstreit von Macht und Ohnmacht ist Zwiespältigkeit menschlichen Seins. Halb Beflügelter, halb Gefangener ist der Mensch.

 

Der Gedanke als Medium zwischen Erde und Welt. Je weiter die Reise, desto empfindlicher die Tragik. Bewegung werden zu müssen und nicht schon zu sein! Der Verlauf entspricht. Wie überwindet der Pfeil die reibende Hemmung? Nie ganz dorthin zu gelangen, wo Bewegung ohne Ende! Die Erkenntnis, dass da, wo ein Anfang, nie eine Unendlichkeit. Trost: Ein wenig weiter als üblich! als möglich? 

 

Lasst euch beflügeln, ihr Pfeile, damit ihr trefft und mündet, wenn ihr auch ermüden und nicht münden werdet.

Das Auge begeht die ihm im Werk eingerichteten Wege.​

BAUHAUSBUCH 02

PAUL KLEE: PÄDAGOGISCHES SKIZZENBUCH

1925​

Ein Lehrgang von 43 Lektionen in zeichnerischer und schriftlicher Darlegung. Ein Lehrbuch? Kaum. Es erleichtert dem späteren Biographen des Kunstmalers Paul Klee die Deutung dessen präziöser Malerei. Sympathisch ist das Bemühen, aller Malerei einen graphischen Willensakt unterzulegen. Klee entkräftet damit den gefühlsmässigen Lyrismus.

 

Haben seine Ausführungen Allgemeingeltung? Wir verneinen und vermeinen, es sei dieses die Schrift eines grossen Individualisten, welcher über seine Kunstgebilde Rechenschaft ablegt. Vornehmlich sich selber, aber auch den andern.

 

Der Vater des Pfeils ist der Gedanke: wie erweitere ich meine Reichweite dorthin? über diesen Fluß, diesen See, jenen Berg! Die ideelle Fähigkeit des Menschen, Irdisches und Überirdisches beliebig zu durchmessen, ist im Gegensatz zu seiner physischen Ohnmacht der Ursprung der menschlichen Tragik. Dieser Widerstreit von Macht und Ohnmacht ist Zwiespältigkeit menschlichen Seins. Halb Beflügelter, halb Gefangener ist der Mensch.

 

Der Gedanke als Medium zwischen Erde und Welt. Je weiter die Reise, desto empfindlicher die Tragik. Bewegung werden zu müssen und nicht schon zu sein! Der Verlauf entspricht. Wie überwindet der Pfeil die reibende Hemmung? Nie ganz dorthin zu gelangen, wo Bewegung ohne Ende! Die Erkenntnis, dass da, wo ein Anfang, nie eine Unendlichkeit. Trost: Ein wenig weiter als üblich! als möglich? 

 

Lasst euch beflügeln, ihr Pfeile, damit ihr trefft und mündet, wenn ihr auch ermüden und nicht münden werdet.

ursprüngliche grundlage zu einem Teil des theoretischen unterichtes am staatlichen bauhaus zu weimar